|
Seit dem Jahr 2000 sammelt das im Deutsche Golfarchiv in Köln Materialien rund um den Golfsport. Für Historiker eine wichtige Grundlage zur Forschung über die Golfgeschichte. Auch für die Dokumentation 100 Jahre Deutscher Golfverband (DGV) die in diesem Jahr erscheint griffen die Autoren auf das Archiv zurück.
Seit Oktober 2006 gibt es die European Association of Golf Historians & Collectors (EAGHC). Über die Ziele der Vereinigung sprach Greenside-Herausgeber Günter Sahler mit dem Vize-Präsidenten der EAGHC, dem Hamburger Christoph Meister.
Greenside: Herr Meister, können Sie mir kurz
erläutern wie es zur Gründung der „European Association of Golf
Historians & Collectors“ kam, aus welcher Notwendigkeit heraus und
wer die Initiatoren sind?
Christoph Meister: Nachdem es schon seit Jahren
entsprechende Organisationen in den USA (The Golf Collectors Society,
GCS) und Großbritannien (The British Golf Collectors Society, BGCS)
gibt, fanden wir, dass es an der Zeit sei etwas Entsprechendes in
(Kontinental-)Europa aufzuziehen. Trotz unserer anfänglichen Bedenken
bei der Namenswahl, haben uns letztlich die Kollegen von der British
Golf Collectors Society vorgeschlagen unsere Vereinigung „European“ zu
nennen.
Schon seit Jahren findet ein reger Austausch golfhistorisch
Interessierter über Golfika.com statt, schließlich feiert diese Seite
bald ihr 10-jähriges Jubiläum. Über die Zeit ist so ein informelles
Netzwerk entstanden und wir fanden, dass es an der Zeit sei, das Ganze
etwas zu offizialisieren.
Der treibende Motor dabei war ganz sicher Jean-Bernard Kazmierczak, der derzeitige und erste Vorsitzende der EAGHC.
Greenside: Ihre Vereinigung sieht sich ja nicht nur als Zusammenschluss von Sammlern, sondern fasst auch Historiker mit ein.
Christoph Meister: Auch die anderen beiden
vorgenannten Organisationen (GCS und BGCS) sehen sich als
Zusammenschluss von Historikern, haben dies aber irgendwie nie in ihren
jeweiligen Organisationsbezeichnungen festgehalten, golfhistorisch
wertvolle Artikel in den jeweiligen Magazinen „The Bulletin“ (GCS) und
„Through the Green“ (BGCS) belegen dies.
Ein jährliches Magazin in gedruckter wenngleich anfänglich auch in
einfacher Form ist für Dezember 2006 geplant und es ist beabsichtigt,
dass jeder golfhistorisch Interessierter sich dieses Magazin bei uns
kaufen kann.
Hauptzweck unserer Organisation ist der Austausch von Informationen
unter Golfhistorikern und -sammlern, und zwar über Ländergrenzen hinweg.
Greenside: Welche Aktivitäten wird es noch geben?
Christoph Meister: Mittelfristig wird z.B. an ein
Projekt über die Digitalisierung von historischen Europäischen
Golfzeitschriften und -dokumenten gedacht, der langfristige Traum wäre
z.B. die Schaffung eines Europäischen Golfmuseums, aber dabei handelt
es sich derzeit noch um Schlösser in Spanien (=Luftschlösser), wie man
in Frankreich sagt. Vielleicht wäre ein Schloss in Spanien gar der
rechte Ort für ein Europäisches Golfmuseum.
Greenkeeping, Indoor Golf und der Umgang mit außersportlichen Rechercheergebnissen
Greenside: Die Arbeit der Greenkeeper wird von den
Golfspielern oft als störend empfunden oder unterschätzt bzw. man weiß
gar nicht was denn überhaupt alles auf dem Platz gemacht wird. Die
United States Golf Association Green Section hat sich schon in den
1920er Jahren wissenschaftlich um die Weiterentwicklung von Rasen und
Geräten gekümmert. Bernhard von Limburger wäre 1927 mit seinem
Deutschen Golf Verlag gerne Mitglied bei der Green Section geworden.
Gibt es Belege darüber ob es in Deutschland ähnliche Ansätze beim
Greenkeeping gab?
Christoph Meister: Dieses Thema bedarf noch einiger
Forschung, sicher ist jedoch, dass Bernhard von Limburger sich viel und
schon früh in den zwanziger und dreißiger Jahren mit diesem Thema
beschäftigt hat. Nach dem Krieg hat Limmy die „Rasenfibel“ verlegt, die
sich mit dem Thema beschäftigt. Bei seinen Platzbauten hat er oft
Bodenproben und Anfragen für geeignete Grassorten an das einschlägige
wissenschaftlich ausgerichtete Rasenforschungsinstitut in
Großbritannien gerichtet.
Greenside: R. A. Oakley, von der Green Section,
meinte nach seinem Besuch 1926 in Deutschland, dass die Plätze in
Deutschland beim Greenkeeping unter Standard gewesen wären.
Christoph Meister: 1926 waren die Deutschen Golfplätze auf jeden Fall
nicht in dem Zustand, wie wir heute die Golfplätze kennen, aber es gab
auch viel weniger Golfspieler pro Golfplatz. Ein Golfclub hatte oft nur
50 Mitglieder und insofern war natürlich auch weniger Geld zur
Platzpflege vorhanden. Das gilt nicht für Großstadtclubs in Hamburg,
Frankfurt oder Berlin, die schon damals 400 – 600 Mitglieder hatten.
Greenside: In den großen Städten der U.S.A gab es
ab Ende des 19. Jahrhunderts erste Indoor Golf Hallen, später auch in
England (Kaufhaus Harrods, London). Ich könnte mir dies für das
kaiserliche Deutschland nur schwer vorstellen. Im Berlin der 1920er
Jahre schon eher. Wissen Sie darüber etwas oder gab es in dieser Zeit
auch noch keinen Bedarf?
Christoph Meister: Es gibt durchaus Hinweise auf
Wintergolfschulen in Deutschland in den späten zwanziger Jahren, u.a.
im Rheinland. Vom Nordseesanatorium auf Föhr mit seinem Privatgolfplatz
gibt es Photos vom Golftraining in der Turnhalle, auch diese Bilder
datieren aus den späten 20er Jahren
Greenside: Bei harmlosen Recherchen gerät man
leicht in außersportliche Dinge (z.B. dem Nationalsozialismus), die
einem das Schreiben z.B. einer kurzen Vereinsbiografie verleiden, weil
man einerseits etwas verschweigen muss, um beim Sport zu bleiben und
andererseits auch niemanden diffamieren will und eine Recherche in
solch einem Fall hieb- und stichfest sein muss. Wie sehen Sie als
Sporthistoriker diese Problematik und wie gehen Sie damit um?
Christoph Meister: Aktuelle Entwicklungen um die
Chronik des Deutschen Fußball-Bund (DFB) haben gezeigt, dass die
Öffentlichkeit an einer korrekten Aufarbeitung der Nazizeit
interessiert ist, auch Volkswagen oder die Dresdener Bank versuchen
derzeit in dieser Richtung vorbildlich zu agieren.
Meiner Meinung nach arbeitet die Chronik des Deutschen Golf Verbandes
(DGV), die im Dezember 2006 auf Grundlage jahrelanger Recherchen
erscheinen wird, wissenschaftlich fundiert und schonungslos z.B. die
Zeit der dreißiger Jahre auf. Insofern kann ich jedem historisch
Interessierten nur die Lektüre dieser vierbändigen Chronik empfehlen.
Ich kenne aktuelle Chroniken von Sportvereinen die die dreißiger Jahre
immer noch stiefmütterlich und undifferenziert betrachten.
Bei der sporthistorischen Betrachtung und Aufarbeitung einer Epoche wie
der Zeit von 1933 bis 1945 in Deutschland gilt natürlich zunächst auch
hier die Unschuldsvermutung, d.h. solange es keinen hieb- und
stichfesten historischen Beleg gibt, kann ich z.B. nicht irgendeinen
Sportler einer bestimmten undemokratischen Partei zuordnen bzw. ihn als
Nazi bezeichnen.
Zur Entwicklung des Golfsports in Deutschland vs. U.S.A.
Bei 100 Jahren Golfsport in Deutschland wird den meisten Mitbürgern
außer dem Namen Bernhard Langer wenig einfallen. Trotz Langers Erfolge
und dem Boom beim Golfplatzbau in den 1990er Jahren ist Golf
hierzulande kein Breitensport. Der Golfsport in Deutschland hat im
Vergleich zu den U.S.A. eine völlig andere Entwicklung genommen. In
Deutschland wird Golf vielfach noch nicht als öffentlich zugänglicher
Sport wahrgenommen, obwohl der leichte Einstieg möglich ist und
öffentliche Plätze heute vorhanden sind. Im Vergleich zu den großen
Golfnationen ist die Anzahl aber immer noch gering.
„Es ist so, dass man bereits Anfang des 20ten Jahrhunderts in
Großbritannien und den U.S.A. erkannt hat, dass es wichtig ist auch
breiteren Schichten der Bevölkerung den Zugang zum Golfsport zu
ermöglichen“, erläutert Christoph Meister. „In Großbritannien gibt es
heute noch auf vielen alt eingesessenen Plätzen so genannten Artisan
Golfers Associations, wo für wenig Geld Einheimische zu Zeiten geringer
Nutzung des Golfplatz spielen können, zumeist müssen sie dafür
handwerkliche Gegenleistungen bzw. Arbeitsstunden auf dem Golfplatz
erbringen, daher also auch der Name.“
Christoph Meister findet „die Mehrgleisigkeit des Golfsports in den
U.S.A. vorbildlich, es können so mehrere Arten von Golfplätzen
nebeneinander bestehen. Es gibt die öffentlichen Plätze, auf denen
jedermann, vielleicht auch nur ein paar Mal im Jahr, oft auch ohne
Handicapnachweis, golfen kann. Hier werden durchaus neue Golfer an den
Sport herangeführt. Die Plätze sind einfacher gestaltet, deshalb auch
billiger im Unterhalt, und jedermann kann für wenig Geld golfen.“
Weiterhin gibt es „semi-private Plätze bzw. Clubs, diese Plätze lassen
zumindest zu gewissen Zeiten jedermann zu, um so z.B. ein gewisses
Greenfeeeinkommen zu generieren. Die Plätze sind schon anspruchsvoller
und pflegeintensiver gestaltet, um den Mitgliedern dennoch ein relativ
preisbewusstes Golfen zu ermöglichen, lässt man, zumindest zeitweise,
Greenfeespieler zu.“ Als dritte Form sieht Meister „die Privaten und
oft auch sehr traditionsreichen Clubs, die sich durch die vorgenannten
anderen Spielformen nicht gefährdet sehen. Dort nimmt man sich die
Freiheit zu entscheiden, wer auf dem Platz spielen darf, dafür sind die
Kosten der Mitgliedschaft dann auch ungleich höher - doch am Ende des
Tages existieren alle Formen von Golfclubs nebeneinander.“
Diese verschiedenen Formen gibt es in Deutschland auch, wobei
allerdings oftmals der öffentliche Kurzplatz von den Clubs als Einstieg
gesehen wird, mit der Hoffnung, dass die Neugolfer später
Clubmitglieder werden. Christoph Meister meint, dass es zu einem
Nebeneinander der verschiedenen Formen kommen muss. „Dieses sinnvolle
Nebeneinander zu Erkennen“, so Meister, „dürfte ein Schlüssel für die
weitere Entwicklung des Golfsports in Deutschland sein – d.h. ein
Golfneuling muss erkennen, dass Golf nicht zwangsläufig karierte Hosen
und Clubleben bedeutet, die etablierten Clubs müssen erkennen, dass die
Neugolfer nicht ihre eigene Existenz zerstören werden, im Zweifel
werden hier nämlich die Mitglieder von morgen dem Sport zugeführt.“
Golfplätze haben einen hohen Platzbedarf (erst ab 60 bis 80 Hektar gilt
eine 18-Lochanlage als umweltverträglich, vgl.
http://www.frsw.de/landschaftsverbrauch.pdf) und einige ökologische
Nachteile, die eine Planung oft zum Genehmigungsmarathon ausarten
lassen, daher sieht Meister „in vielen inzwischen dicht besiedelten
Ländern Europas wie z.B. den Niederlanden oder der Schweiz ganz einfach
ein Platzproblem, das neue Golfplätze teuer macht und so die
Entwicklung des Golfsports aufhält.“ Dies seien auch Gründe für die
unterschiedliche Entwicklung des Golfsports. „Umweltpolitische
Bedenken, die den Bau und das Genehmigungsverfahren eines Golfplatzes,
insbesondere in Deutschland und der Schweiz so schwierig gestalten,
sind in dieser Form in Ländern wie der U.S.A. oder Großbritannien
unbekannt. Das können Sie u.a. daran merken, wenn Sie einmal einen
Angelsachsen fragen, ob man den Schläger in einem Biotop aufsetzen
darf, er wird Sie fragen: Was ist ein Biotop?“
Text/Interview: Günter Sahler
golfmaxx dankt Günter Sahler herzlich für seine Zustimmung zu Veröffentlichung. Mehr von Günter Sahler finden Sie hier:
|